Führungskräfte aus Neustadt steigen aufs E-Bike.

Der Klimawandel bedroht unsere Zukunft, sorgt für Überschwemmungen, Trockenzeiten und andere Extreme. Um den Stadtverkehr in wenigen Jahren vollständig CO2-neutral zu gestalten, haben die Landeshauptstadt Hannover und die Region Hannover in Kooperation
mit der Mediengruppe Madsack im Sommer 2020 ein multimediales Projekt ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Hannover bewegt sich“ haben wir mit Fachleuten und Hannoveranern Mobilität ein Jahr lang neu gedacht und diskutiert. Themen und Projekte haben wir auf Sonderseiten, in Diskussionsrunden und auf der Webseite www.neustadt-bewegt-sich.de präsentiert. Das haben wir gelernt:

Radfahrende machen den Test

Klimaneutraler Verkehr ist die Zukunft. Doch was muss sich ändern, um ihn zu realisieren? Neustadts Einwohnerinnen und Einwohner sowie Führungskräfte haben den Test gemacht. Für Kurzstrecken unter zehn Kilometern sind sie im August aufs Rad oder aufs E-Bike umgestiegen. Ihr Fazit: Per Rad geht es recht unkompliziert durch die Innenstadt. Doch mancherorts wird der Fahrspaß gebremst. Die meisten Testradlerinnen und -radler wünschen sich mehr und bessere Radrouten. Diese will die Stadt mit ihrem neuen Radverkehrskonzept schaffen.

„Neustadt bewegt sich und kann etwas bewegen, auch unter den erschwerten Bedingungen einer Pandemie: Corona zum Trotz ist es uns im vergangenen Jahr gelungen, kommunale Mobilität neu und weiter zu denken. Im offenen Dialog haben wir gemeinsam Potenziale ermittelt und zukunftsfähige Konzepte entwickelt, die den Stadtverkehr in Neustadt noch attraktiver, sicherer und gerechter machen werden. Die Verkehrswende ist in den Köpfen, jetzt muss sie auch auf die Straße.“
Dominic Herbst, Bürgermeister der Stadt Neustadt

Dominic Herbst, Bürgermeister der Stadt Neustadt

Stadt und Region errichten neue Radwege

Die Region Hannover baut neue Radwege wie hier entlang der Ortsdurchfahrt Harenberg.

Die Region Hannover baut neue Radwege wie hier entlang der Ortsdurchfahrt Harenberg.

Die Stadt plant neue und verbesserte Routen für Radfahrende. Die Wege sollen sicherer werden und die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Rad erleichtern. Zusätzlich schafft die Region bessere Radverbindungen zwischen den Ortschaften. Durch den Bau einer Unterführung in Poggenhagen können Radfahrende künftig einfach unter der Bahnstrecke hindurchfahren. Außerdem wird in Ortsdurchfahrten die Verkehrsführung für Radfahrende verbessert.

Mehr Gerechtigkeit im Straßenverkehr

Insgesamt 7577 Kinder und Jugendliche sind in Neustadt auf dem Rad nicht sicher unterwegs.

Insgesamt 7577 Kinder und Jugendliche sind in Neustadt auf dem Rad nicht sicher unterwegs.

Mit dem Ausbau von Radwegen und des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) wollen Stadt und Region mehr Gerechtigkeit im Straßenverkehr schaffen. Jahrzehntelang wurde vor allem in die Infrastruktur für Autos investiert. Davon profitiert jedoch nur etwas mehr als die Hälfte aller Menschen in Neustadt. 41 Prozent haben kein Auto, 7577 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren sind vollständig vom Autoverkehr ausgeschlossen. „Für eine gerechtere Mobilität braucht es eine Neuverteilung der Verkehrsflächen“, sagt Neustadts Bürgermeister Dominic Herbst.

Neues Rathaus für mehr klimaneutralen Verkehr

Frequenzbringer für die Innenstadt: das neue Rathaus.

Frequenzbringer für die Innenstadt: das neue Rathaus.

Der erste große Baustein zur Innenstadtentwicklung und der Beginn der geplanten Umstrukturierung der Verkehrsflächen ist der Bau eines neuen Rathauses. Es wird zentral in der Innenstadt liegen, eine bessere Anbindung an den ÖPNV bieten und mit dem Rad gut erreichbar sein. Baubeginn ist in diesem Sommer, bis 2023 soll das Gebäude fertig sei.

Fahrradaktionstag findet großen Zuspruch

Viele Menschen in Neustadt sind begeisterte Radfahrer und Radfahrerinnen.

Viele Menschen in Neustadt sind begeisterte Radfahrer und Radfahrerinnen.

Viele Neustädterinnen und Neustädter lieben das Radfahren. Das zeigt der große Zuspruch beim Fahrradaktionstag im September. Herbst: „Das Fahrrad ist ein ideales Verkehrsmittel für den Alltag und zentraler Teil einer zukunftsfähigen Mobilität.“

Weniger Autos in der Kernstadt

Damit das Radfahren sicherer und komfortabler wird, soll in der Kernstadt der Autoverkehr reduziert werden. Laut Herbert Tiemens, Verkehrsplaner in Utrecht, profitieren davon auch die Geschäftsleute. Denn durch weniger Autoverkehr steigt die Aufenthaltsqualität in den Innenstädten und dadurch auch der Umsatz in Handel und Gastronomie. „Nicht Autos kaufen ein. Es sind Menschen, die einkaufen“, sagt der Verkehrsexperte. „Wenn Straßen mehr zum Bummeln einladen, erhöht sich der Umsatz.“

Region baut ÖPNV aus

Der GVH stellt seine Busse schrittweise auf Elektro-und Wasserstoffantrieb um.

Der GVH stellt seine Busse schrittweise auf Elektro-und Wasserstoffantrieb um.

„Mit „Neustadt bewegt sich“ haben wir die Zukunft der Mobilität bereits „erfahrbar“ in die Gegenwart geholt. Klimafreundliche Mobilität in Neustadt unterstützen wir mit dem Ausbau von Radwegen sowie einem attraktiven Nahverkehr mit modernen Bike-and-ride-Anlagen und Park-and-ride-Angeboten. Die eng getakteten SprintH-Busse bieten kostenloses WLAN und USB-Ladestationen. So wird der ÖPNV digitaler und noch komfortabler.“

„Neustadt bewegt sich und kann etwas bewegen, auch unter den erschwerten Bedingungen einer Pandemie: Corona zum Trotz ist es uns im vergangenen Jahr gelungen, kommunale Mobilität neu und weiter zu denken. Im offenen Dialog haben wir gemeinsam Potenziale ermittelt und zukunftsfähige Konzepte entwickelt, die den Stadtverkehr in Neustadt noch attraktiver, sicherer und gerechter machen werden. Die Verkehrswende ist in den Köpfen, jetzt muss sie auch auf die Straße.“
Ulf-Birger Franz, Verkehrsdezernent der Region Hannover

Ulf-Birger Franz, Verkehrsdezernent der Region Hannover

50 Jahre Mobilität für alle

Die neue GVH-App bündelt alle Mobilitätsoptionen.

Die neue GVH-App bündelt alle Mobilitätsoptionen.

Der Großraum-Verkehr Hannover (GVH) feierte 2020 seinen 50. Geburtstag. „Der GVH wird noch moderner und digitaler – von Angeboten in der neuen GVH-App bis zum bargeldlosen Bezahlen“, berichtet Ulf-Birger Franz, GVH-Geschäftsführer und Verkehrsdezernent der Region Hannover.

HAZ-Forum gibt neue Impulse

Im HAZ-Forum diskutierten wir im November über die wesentlichen Faktoren der Mobilitätswende. Ergebnis: Statistisch gesehen ist auf dem Land jeder zweite Weg kürzer als fünf Kilometer. Das ist eine Strecke, die sehr gut mit dem Rad zurückgelegt werden kann, wenn die Infrastruktur stimmt. Dazu sind starke Hauptachsen notwendig, an denen der ÖPNV zuverlässig und mit einer guten Taktung fährt, Angebote für Park-and-ride und Bike-and-ride sowie gute Radwege bis zur nächsten ÖPNV-Haltestelle.

Mehr Ladepunkte für E-Autos

Die Zahl der Ladesäulen wächst kontinuierlich.

Die Zahl der Ladesäulen wächst kontinuierlich.

E-Auto zu fahren wird immer komfortabler. Denn die Zahl der Ladepunkte wächst. Insgesamt gibt es in Neustadt mittlerweile 16 Ladesäulen mit 30 Ladepunkten an sieben Standorten. Die meisten davon betreiben die Ideenstadtwerke. Neue Lademöglichkeiten will das Unternehmen überall dort errichten, wo Bedarf besteht. „Die stetig wachsende Zahl an Ladesäulen macht E-Mobilität attraktiv und alltagstauglich“, sagt Ideenstadtwerke-Geschäftsführer Dieter Lindauer.

Fotos: © Florian Petrow, © Region Hannover, Claus Kirsch, © omrodinka-iStockphoto.de, © Goldbeck GmbH/struhk architekten, © Mirko Bartels, © Regiobus Junker, © GVH (2), © Christian Behrens, © Jesse Wiebe, © Region Hannover